Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Erlangen

 

Besinnliches

  • Heute

    Es gibt in jeder Woche zwei Tage, über die wir uns keine Sorgen machen sollten. Zwei Tage, die wir frei halten sollten von Angst und Bedrückung. Einer dieser Tage ist Gestern mit all seinen Fehlern und Sorgen, geistlichen und körperlichen Schmerzen. Das Gestern ist nicht mehr unter unserer Kontrolle! Alles Geld der Welt kann das Gestern nicht zurückbringen; wir können keine einzige Tat, die wir gestern getan haben, ungeschehen machen. Das Gestern ist vorbei.

    Der andere Tag, über den wir uns keine Sorgen machen sollten, ist das Morgen mit seinen möglichen Gefahren, Lasten, großen Versprechungen und weniger guten Leistungen. Auch das Morgen haben wir nicht unter unserer sofortigen Kontrolle. Morgen wird die Sonne aufgehen, entweder in ihrem vollen Glanz oder hinter einer Wolkenwand. Aber eins steht fest: sie wird aufgehen! Bis sie aufgeht, sollten wird uns nicht über Morgen Sorgen machen, weil Morgen noch nicht geboren ist.

    Da bleibt nur ein Tag übrig: Heute!
    Jeder Mensch kann täglich nur ein Tagwerk bewältigen. Dass wir zusammenbrechen geschieht nur, wenn Du und ich die Last dieser zwei fürchterlichen Ewigkeiten - Gestern und Morgen - zusammenfügen. Es sind nicht die Erfahrungen von Heute, die die Menschen verrückt machen; es ist die Reue und Verbitterung für etwas, was gestern geschehen ist, oder die Furcht vor dem, was das Morgen wieder bringen wird. Heute ist das Morgen, worüber wir uns gestern Sorgen gemacht haben.

    Verfasser unbekannt

  • Gebet des älter werdenden Menschen

     

    O Herr, Du weißt besser als ich,
    dass ich von Tag zu Tag älter
    und eines Tages alt sein werde.

    Bewahre mich vor der Einbildung,
    bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.
    Erlöse mich von der großen Leidenschaft,
    die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.

    Lehre mich, nachdenklich, aber nicht grüblerisch,
    hilfreich, aber nicht diktatorisch zu sein.
    Bei meiner ungeheuren Ansammlung von
    Weisheit erscheint es mir ja schade,
    sie nicht weiterzugeben – aber Du verstehst o Herr,
    dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.

    Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und
    verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen.
    Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden.
    Sie nehmen zu, und die Lust, sie zu beschreiben,
    wächst von Jahr zu Jahr.

    Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen,
    mir die Krankheitsschilderungen anderer
    mit Freude anzuhören, aber lehre mich,
    sie geduldig zu ertragen.

    Lehre mich die wunderbare Weisheit,
    dass ich mich irren kann.
    Erhalte mich so liebenswert wie möglich.
    Ich möchte kein Heiliger sein – mit ihnen lebt es sich so schwer -,
    aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.

    Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete
    Talente zu entdecken, und verleihe mir o Herr,
    die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.

    Anonym - 17. Jhd. Inschrift in einer englischen Kirche

  • Die üble Nachrede

    Ein Nachbar hatte über Künzelmann schlecht geredet und die Gerüchte waren bis zu Künzelmann gekommen. Künzelmann stellte den Nachbarn zur Rede.

    „Ich werde es bestimmt nicht wieder tun“, versprach der Nachbar. „Ich nehme alles zurück, was ich über Sie erzählt habe“.

    Künzelmann sah den anderen ernst an. „Ich habe keinen Grund, Ihnen nicht zu verzeihen“ erwiderte er. „Jedoch verlangt jede böse Tat ihre Sühne.“

    „Ich bin gerne zu allem bereit.“ sagte der Nachbar zerknirscht.

    Künzelmann erhob sich, ging in sein Schlafzimmer und kam mit einem großen Kopfkissen zurück.

    „Tragen Sie dieses Kissen in Ihr Haus, das hundert Schritte von meinem entfernt steht.“ sagte er. „Dann schneiden Sie ein Loch in das Kissen und kommen wieder zurück, indem Sie unterwegs immer eine Feder nach rechts, eine Feder nach links werfen. Dies ist der Sühne erster Teil.“

    Der Nachbar tat, wie ihm geheißen.

    Als er wieder vor Künzelmann stand und ihm die leere Kissenhülle überreichte, fragte er: „Und der zweite Teil meiner Buße?“

    „Gehen Sie jetzt wieder den Weg zu Ihrem Haus zurück und sammeln Sie alle Federn wieder ein.“

    Der Nachbar stammelte verwirrt: „Ich kann doch unmöglich all die Federn wieder einsammeln! Ich streute sie wahllos aus, warf eine hierhin und eine dorthin. Inzwischen hat der Wind sie in alle Himmelsrichtungen getragen. Wie könnte ich sie alle wieder einfangen?“

    Künzelmann nickte ernst: „Das wollte ich hören! Genau so ist es mit der üblen Nachrede und den Verleumdungen. Einmal ausgestreut, laufen sie durch alle Winde, wir wissen nicht wohin. Wie kann man sie also einfach wieder zurücknehmen?“

    Autor: Jo Hanns Rösler 1899 – 1966

  • Gefangen

    Heute reden viele Menschen von work-life-balance, also dem ausgewogenen Verhältnis von Arbeit und Privatleben. Gerade auch in Zeiten des Home Office. Das kann für einige bedeuten, dass sie ihre Berufung gefunden haben und einem Beruf nachgehen, der auch ihr Hobby sein könnte. Aber ich treffe auch Menschen, bei denen hört man, dass es nicht so ist.

    Im Zug habe ich einen Mann getroffen und wir kamen ins Gespräch. Ein erfolgreicher Mann, der Stolz auf seine Uhr, seine Bahncard 100 und seine Kleidung war.Er hat von seinem Job erzählt, die Statussymbole wurden ganz nebenbei erwähnt. Und zwar immer dann, wenn er über eine der negativen Seiten in seinem Job geredet hatte.

    Dann folgten so Sätze wie: „naja, aber dafür gab es letztes Jahr noch diese Uhr dazu“. Man merkte, dass er nicht wirklich glücklich war in seinem Beruf. Aber irgendwie war er doch gefangen zwischen den Vorteilen und den unübersehbaren Nachteilen. In Mannheim verließen wir gemeinsam den Zug und jeder ging seiner Wege.

    Beim Nach-denken über diese Begegnung, musste ich an Zachäus den Zöllner aus der Bibel denken. Er war Steuereintreiber der Römer gewesen. Nicht besonders beliebt unter seinen Mitmenschen. Jesus aber hat sich trotzdem bei ihm zum Essen eingeladen. Und das hat Zachäus befreit. Er hat sein Leben verändert, um anders weiter zu leben.

    An was der Mann aus dem Zug beim Weggehen gedacht hat, weiß ich nicht. Aber er hat sich nochmal umgedreht, gelächelt und gewunken. Nachdem er erfahren hatte, dass ich Pfarrer bin, hat er interessiert nachgefragt. Er hat sich vorgenommen, mal wieder ein bisschen in der Bibel zu lesen.

    Vielleicht stößt er dabei ja zufällig auf die Geschichte von Zachäus? Ich jedenfalls wünsche dem Mann, dass er anfangen kann ein anderes - freieres Leben zu führen. Mal sehen, vielleicht treffen wir uns mal wieder in der Bahn und kommen ins Gespräch...


    veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Markus Jäckle ,Speyer, Evangelische Kirche

    gesendet als "SWR3 - Anstöße sonn- und feiertags am 01.05.2020" www.kirche-im-swr.de

     


     

  • Veränderung

    In der Krypta des Westminster Abtei sind auf dem Grabstein eines anglikanischen Bischofs die folgenden Worte zu lesen:

    "Als ich jung und frei war und mein Vorstellungsvermögen keine Grenzen hatte, träumte ich davon, die Welt zu verändern.
    Als ich älter und weiser wurde, entdeckte ich, dass sich die Welt nicht ändern würde. Also schränkte ich mich ein und beschloss, nur mein Land zu verändern. Aber auch das schien nicht möglich.
    Als ich in meinen Lebensabend eintrat, versuchte ich in einem letzten verzweifelten Versuch nur meine Familie zu verändern, jene, die mir am nächsten standen. Doch auch sie liessen es nicht zu.

    Jetzt, da ich auf dem Sterbebett liege, wird mir klar: Wenn ich mich selbst zuerst geändert hätte, dann hätte ich durch mein Beispiel meine Familie geändert. Durch ihre Ermutigung wäre ich in der Lage gewesen, mein Land zu verbessern und vielleicht hätte ich sogar die Welt verändert."

    Verfasser unbekannt

  • Der Gedanke

    Der Gedanke schwebte über die Erde und suchte einen Platz, um auszuruhen. Er ließ sich auf einer Blüte nieder. Doch sie schwankte nur im Winde und überschüttete ihn mit Blütenstaub. So verließ er sie.

    Er fand eine Ameise. Doch sie hielt plötzlich inne. So wie sie vorher unermüdlich gesammelt und geschleppt hatte, so verfiel sie in ein endloses Grübeln, rührte sich nicht mehr und verhungerte.

    Der Gedanke flog weiter und fand ein Wesen, welches auf dem Boden hockte und lustlos Dinge anstieß, aufhob und sie wieder fallen ließ. „Nimm mich auf!“ sagte der Gedanke. „Als Belohnung werde ich dir die Lust schenken, die Freude und den Genuss“. So zog der Gedanke in das Wesen ein und nannte es Mensch.

    Der Mensch sah sich um, und alles, was er fand und tat, bereitete ihm Lust. Er freute sich an den Blumen. Er genoss den Anblick der Wolken. Er liebte es, umherzugehen und innezuhalten. Er aß mit Freude und trank das Wasser mit Lust. Doch er genoss es auch, die Blumen zu zertrampeln, das Wasser zu verschmutzen und die Tiere zu fangen und zu quälen.

    Da gebot ihm der Gedanke Einhalt: „Ich werde dir den Zweifel geben, damit du bereit bist, über alles, was du tust und über alles, was du lässt, dir Rechenschaft abzulegen“.

    Doch bald saß der Mensch wieder auf dem Boden, zerrissen zwischen dem, was er tun wollte, und der Furcht davor, etwas zu zerstören, ängstlich bemüht, alles zu vermeiden, was er nicht ausführlich bedacht und vorhergesehen hatte.

    „Das ist nicht gut“, sagte der Gedanke. „Als ich dich traf, warst du lustlos und ohne Ziel. Doch jetzt weißt du, was Lust ist, und versagst sie dir aus Angst, dein Ziel zu verfehlen. So will ich dir die Hoffnung geben, die dich aus der erstarrten Umklammerung von Lust und Zweifel befreien soll“!

    Und so richtete sich der Mensch wieder auf, sammelte und baute, plante und schuf sich eine Welt, von der er hoffte, dass sie ihm zur Lust gereichen werde. Er sammelte Blumensamen, säte und hoffte, sich an ihrem Duft und ihrer Schönheit zu laben, er ersann Speisen und Spiele. Doch er konnte die Zeit nicht vergessen, wo er nur Lust empfand, wo alles, was er tat, ihm Freude bereitete, wo er die Welt genoss, ungetrübt und nicht angenagt von Zweifel. Die Hoffnung schwand, dass es, so sehr er sich auch mühte, je wieder so sein würde. Der Zweifel drohte, die Hoffnung wieder zu ersticken, und der Mensch schien immer mehr in Trübsal zu versinken. Jedes Misslingen schien ihm ein Zeichen, jeder Schmerz brannte sich ihm in die Seele und jedes Scheitern ließ ihn verzweifeln. Die Hoffnung erkrankte und verwandelte sich in Sehnsucht.

    Da schaute ihn der Gedanke ein letztes Mal an und sagte: „Ich werde dir eine letzte Gabe schenken. Du sollst vergessen können, damit die Hoffnung nicht stirbt und die Freude ungetrübt sein kann“.

    Und der Mensch vergaß den Gedanken.

    Verfasser unbekannt

  • Melodie der Erde

    animal 1868436 400
    Foto: von Daniel Kirsch auf Pixabay

    Lieber Gott,
    du weißt,
    ich bin nur ein kleines
    Mädchen mit schwarzen Haaren
    und brauner Haut.
    Du weißt,
    mein Vater ist arm;
    meine Mutter weiß nicht,
    was sie heute kochen soll.
    Mein älterer Bruder
    ist seit vielen Wochen
    arbeitslos;
    meine jüngere Schwester
    hätte gerne eine Puppe
    mit langen, blonden Haaren.
    Warum schenkst du ihr keine?
    Weißt du denn nicht
    wie sehr sie sich darüber
    freuen würde?
    Lieber Gott,
    ich weiß nicht,
    warum manche Menschen
    soviel mehr haben als wir
    und nicht ständig hungern.
    Ich bitte dich,
    mache, daß Vater und Mutter
    sich gut vertragen;
    ich bitte dich,
    schenke mir
    und meiner Schwester
    ein neues Kleid -
    ein buntes, wenn möglich;
    und auch ein paar Sandalen;
    es dürfen auch alte sein,
    Hauptsache, sie passen.

    aus Chile

     

     

    Quelle: "Melodie der Erde", Hrsg. Fridolf Heydenreich, Verl. Butzon & Bercker, ISBN 3-7666-9881-8

  • Jetzt ist Zeit

    Die Liste

    Eine Lehrerin bat ihre Schüler, die Namen aller Schüler auf ein Blatt Papier zu schreiben und daneben Platz zu lassen. Dann forderte sie die Schüler auf, zu überlegen, was das Netteste ist, das sie über jeden ihrer Klassenkameraden auf das jeweilige Blatt Papier schreiben können. Nach der anfänglichen Irritation begannen die Schüler zu schreiben und ihre Blätter zu füllen. Es dauerte die ganze Stunde, bis jeder fertig war und zu jedem Mitschüler etwas notiert hatte. Bevor die Kinder den Klassenraum verließen, gaben sie ihre Blätter der Lehrerin. Am Wochenende schrieb die Lehrerin jeden Schülernamen auf ein eigenes Blatt Papier und darunter die netten Bemerkungen, die jeder Mitschüler über den Einzelnen aufgeschrieben hatte. Am Montag gab sie jedem Schüler seine Liste. Schon nach kurzer Zeit strahlten alle. "Wirklich?", hörte man es flüstern. "Ich wusste gar nicht, dass ich jemandem etwas bedeute!" und "Ich wusste nicht, dass mich andere so mögen", waren die Kommentare. Niemand erwähnte danach die Listen wieder. Die Lehrerin wusste nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit ihren Eltern diskutiert hatten. Aber das machte nichts aus. Die Übung hatte ihren Zweck erfüllt. Die Schüler waren mit sich und den anderen glücklich. Das Eis brach und es herrschte ein anderer Wind in der Klasse.

    Viele Jahre später starb Mark, einer der Schüler, und die Lehrerin ging zu dessen Begräbnis. Die Kirche war überfüllt mit vielen Freunden. Nach dem Begräbnis waren die meisten von Marcs früheren Schulfreunden noch am Friedhof versammelt. Marcs Eltern waren auch da und sie warteten darauf, mit der Lehrerin zu sprechen. "Wir wollen Ihnen etwas zeigen", sagte der Vater und zog etwas aus seiner Tasche. "Das wurde gefunden, als Marc verunglückt ist. Wir dachten, Sie würden es erkennen." Es war ein stark abgenutztes Blatt, das offensichtlich zusammengeklebt, viele Male zusammen- und auseinander gefaltet worden war. Die Lehrerin wusste ohne hinzusehen, dass dies eines der Blätter war, auf denen sie die netten Dinge geschrieben hatte, die seine Klassenkameraden über Marc geschrieben hatten. "Wir möchten Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie dieses Spiel damals gemacht haben", sagte Marcs Mutter. "Wie Sie sehen können, war das Marc sehr wichtig." Viele frühere Schüler versammelten sich um die Lehrerin. Fred lächelte ein bisschen und sagte: "Ich habe meine Liste auch noch. Sie ist in der obersten Schublade in meinem Schreibtisch." Die Frau von Heinz sagte: "Heinz bat mich, seine Liste in unser Hochzeitsalbum zu kleben." "Ich habe meine auch noch", sagte Monika. "Sie ist in meinem Tagebuch." Dann griff Irene, eine andere Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre abgegriffene und ausgefranste Liste den anderen. "Ich trage sie immer bei mir", sagte Irene und meinte dann: „Ich glaube, wir haben alle die Listen aufbewahrt." Die Lehrerin war so gerührt, dass ihr die Tränen kamen. Sie weinte um Marc und für alle seine Freunde, die ihn nicht mehr sehen würden. Und vor Dankbarkeit, dass die Wertschätzung von damals ihre Schüler so durchs Leben trug.

    Verfasser unbekannt

  • Zufluchtsort- Keine Angst

    „Ich habe so eine Angst“. Mit diesen Worten begrüßt mich eine Patientin als ich in ihr Zimmer trete. Ich begleite sie seit einiger Zeit. Sie wird bald sterben. Und sie weiß das. „Was könnte helfen gegen die Angst“, frage ich sie. „Nicht hier zu sein“, meint sie. Ich frage weiter „Wo wären Sie denn jetzt gerne?“- „In Sri Lanka“, sagt sie und lächelt. „Da war ich mal mit meinem Freund. Und es war so wunderschön dort“. Und dann reisen wir gemeinsam dorthin. In Gedanken. Wir schließen die Augen und sie erzählt mir, wie es dort aussieht. Manchmal frage ich nach, wenn ich etwas genauer sehen will. Gemeinsam gehen wir am Strand spazieren. Wir hören das Meer rauschen, spüren den Sand zwischen unseren Fußzehen. Wir sehen Frauen in bunten Saris und Männer in gestreiften Sarongs, das ist so eine Art Wickelrock. Wir riechen das Curry, das in einem Strandrestaurant gerade zubereitet wird. Sie beschreibt, wie das Curry aussieht und schmeckt und mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Irgendwann sagt sie: „Jetzt habe ich keine Angst mehr. Wenn ich gehe, wird alles gut.“ Kurz darauf schläft sie ein. Sie hat ihren Zufluchtsort noch einmal gesehen und sie hat ihn mir gezeigt.

    Ein paar Tage später ist sie gestorben. Für mich war ihr besonderer Zufluchtsort nicht nur die Erinnerung an schöne unbeschwerte Urlaubstage. Es war, als hätte sich für uns beide der Himmel geöffnet. Wir wissen ja alle nicht, wie es dort aussieht, wo das Leben endet und dann, wie ich glaube, nach dem Tod neu beginnt. Aber ich bin fest davon überzeugt: wenn wir hier auf der Erde einmal erlebt haben, wie sich der Himmel öffnet, dann brauchen wir keine Angst haben, wenn wir diese Erde einmal verlassen.
     
    Wer einmal einen Hauch von der Ewigkeit gespürt, gesehen oder gerochen hat, der muss sich nicht mehr vor ihr fürchten. Gott will uns hier schon begegnen, damit wir dort keine Angst mehr haben.

    veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Pfarrerin Anja Behrens, Kaiserslautern, Evangelische Kirche

    gesendet als "Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP am 25.2.2017" auf der Homepage www.kirche-im-swr.de

     


     

  • Der bessere Weg

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    Foto: Pexels auf Pixabay

    Ein kleiner Junge, der auf Besuch bei seinem Großvater war, fand eine kleine Landschildkröte und ging gleich daran, sie zu untersuchen. Im gleichen Moment zog sich die Schildkröte in ihren Panzer zurück und der Junge versuchte vergebens, sie mit einem Stöckchen herauszuholen.

    Der Großvater hatte ihm zugesehen und hinderte ihn daran, das Tier weiter zu quälen. "Das ist falsch" sagte er " komm, ich zeig dir, wie man das macht." Er nahm die Schildkröte mit ins Haus und setze sie auf den warmen Kachelofen. In wenigen Minuten wurde das Tier warm, steckte seinen Kopf und seine Füße heraus und kroch auf den Jungen zu.

    "Menschen sind manchmal wie Schildkröten" sagte der Großvater. "Versuche niemals jemanden zu zwingen. Wärme ihn nur mit etwas Güte auf und er wird seinen Panzer verlassen können."

    Verfasser unbekannt

  • Mit Gott zu Mittag essen...

    Es war einmal ein kleiner Junge, der sich nichts mehr wünschte, als Gott zu treffen. Also packte er seinen Rucksack und machte sich auf den Weg. Er lief lange und wurde müde. In einem kleinen Park setzte er sich auf eine Bank zu einer alten Frau, die dort die Tauben fütterte. Er griff in seinen Rucksack und holte seinen Proviant heraus. Die alte Frau schaute hungrig, und so bot er ihr einen Schokoriegel an, den sie dankbar annahm.

    Zum Dank lächelte sie – und was war das für ein wundervolles Lächeln. Es war so schön, dass er es noch einmal sehen wollte, und so bot er ihr auch eine Limonade an. Die alte Frau nahm das Getränk und lächelte so strahlend, dass dem Jungen ganz warm ums Herz wurde.

    Und so verbrachten die beiden den Nachmittag im Park. Schweigend aßen sie die Schokoriegel und tranken die Limonade. Als es dunkel wurde, machte sich der Junge auf, um nach Hause zu gehen – nicht ohne vorher die Frau zu umarmen, wofür er ihr allerallerschönstes Lächeln bekam.

    Zu Hause fragte die Mutter den Jungen, warum er so glücklich sei, und er antwortete: “Ich habe mit Gott zu Mittag gegessen – und sie hat ein wundervolles Lächeln!”

    Auch die alte Frau war nach Hause gegangen, wo ihr Sohn schon auf sie wartete. Auch er fragte sie, warum sie so fröhlich aussah. Und sie antwortete: “Ich habe mit Gott zu Mittag gegessen – und er ist viel jünger, als ich gedacht habe.”

     

    Geschichte „Ein Nachmittag im Park“ nacherzählt nach: An Afternoon in the Park von Julie A. Manhan. Aus: „A 3rd Serving of Chicken Soup for the Soul: More Stories to Open the Heart and Rekindle the Spirit“ von Jack Canfield, Mark Victor Hansen, (Englisch) Taschenbuch – 2. Oktober 2012. Verlag: Backlist, LLC - a unit of Chicken Soup of the Soul Publishing LLC; Auflage: Original (2. ISBN-10: 1623610370, ISBN-13: 978-1623610371,

  • Liebesopfer - Argument gegen Hinrichtung und gegen Todesstrafe


    Vom englischen Staatsmann Oliver Cromwell (1599-1658) wird folgendes berichtet: Er hatte einen Mann wegen Staatsverbrechen zum Tode verurteilt und angeordnet: »Wenn abends um sechs Uhr die Glocke vom Dom ertönt, soll das Haupt des Verurteilten fallen. «
    Viele Neugierige hatten sich auf dem Domplatz eingefunden, um Zeuge der Hinrichtung zu werden. Man wartete auf das Glockenzeichen, doch das blieb aus. Eine Abordnung wurde zum Glöckner geschickt. Der aber zog wie sonst kräftig am Seil. Als dann einige nach oben stiegen, um auf dem Glockengerüst nachzusehen, bot sich ihnen ein furchtbarer Anblick. Eine Frau hing am Klöppel der Glocke und wurde hin- und her geschlagen. Man hielt die Glocke an, und die Frau brach ohnmächtig zusammen. Es war die Frau des Verurteilten.

    Als Cromwell davon erfuhr, war er zutiefst betroffen und gab den Verurteilten frei. Der Mann selbst hatte nichts zu seinen Gunsten anführen können. Die Liebe und das Opfer seiner Frau waren das Argument gegen seine Hinrichtung.
    Das Opfer Christi ist Argument gegen die Vollstreckung von Gottes Gericht.


    Verfasser unbekannt

  • Nichts zu verlieren

    Vor einigen Jahren lernte ich einen jungen Mann kennen, der total anders war als alle anderen. Er hieß Mike O`Hara und war Anfang Zwanzig. Er hatte Knochenkrebs im Endstadium. Aber das war nicht das Ungewöhnliche an ihm. Es war seine Einstellung zum Leben und zum Tod, über die ich staunte.Sein Humor war verblüffend.

    Kurz nach dem Verlust aller Haare (durch die Chemotherapie) zum Beispiel ging Mike auf eine Faschingsparty, verkleidet als Deoroller. Sein kahler Kopf war die Roll-onKugel.Trotz seines Humors war mir in Mikes Gegenwart immer etwas unwohl, weil ich mir ständig bewusst war, dass er nur noch ein paar Monate zu leben hatte. Eines Tages, als wir zusammen essen waren, fiel Mike meine Gezwungenheit auf. "Was ist los mit dir?" fragte er. "Glaubst du, das ist ansteckend?" Er zeigte auf seine spiegelblanke Glatze. Als meine Antwort ausblieb, lachte er und rieb sich mit den Händen am Kopf. Dann beugte er sich plötzlich vor und strich mir über das Haar. "Es ist tatsächlich ansteckend!" brüllte er. Jetzt schauten alle im Restaurant uns zu."Ich weiß, warum du so nervös bis", fuhr er ruhiger fort. "Weil ich bald sterbe, stimmt´s?" 

    Sein Gesicht verschwamm vor meinen Augen, weil mir die Tränen kamen, und ich nickte. Zum Sprechen war ich viel zu überwältigt. Dann sagte Mike etwas, das ich nie vergessen werde. Er beugte sich vor und flüsterte: "Ken, wir sterben beide. Der einzige Unterschied zwischen uns ist, dass Gott mir verraten hat, wann. Wir könnten aus diesem Restaurant kommen, und du wirst von einem VW-Käfer angefahren und kommst eher in den Himmel als ich. Hab´keine Angst vor dem Sterben, Ken. Wir sind Christen. Wir haben nichts zu verlieren!"


    Verfasser unbekannt

  • Suche: Kühe, Pilze oder Gott

    „Wenn man Kühe sucht, findet man Pilze. Wenn man Pilze sucht, findet man Kühe.“ Nun gut. Wen interessieren schon groß Kühe oder Pilze? Ich habe jedenfalls diesen Spruch gefunden und seitdem bin ich ein großer Fan von Beidem. „Wenn man Kühe sucht, findet man Pilze. Wenn man Pilze sucht, findet man Kühe.“ So einfach ist das. Aber wenn man absichtlich Pilze sucht, um Kühe zu finden, oder Kühe sucht, um Pilze zu finden, dann findet man nichts. Gar nichts.

    Der Spruch ist witzig, finde ich, und echt wahr. Das fängt beim Hammer an. Ich gehe ihn im Keller suchen – finde ihn nicht, aber die Isomatte, die ich schon lange vermisst habe! Oder ich fahre in Urlaub an die Ostsee – und ich treffe eine Frau, die zu einer guten Freundin wird. Habe ich nicht gesucht, aber gefunden. „Man sucht Pilze und findet Kühe.“ So einfach ist das. Nur: Ich sollte mir wohl nicht zu genaue Vorstellungen machen, wie das oder der oder die ist oder aussehen soll, die ich suche.

    Wie bei der Suche nach Gott. Ich erlebe manchmal Leute, die genau zu wissen meinen, was sie suchen. Etwa einen Gott wie dieser gütige Mann mit Rauschebart. Oder einen, der fiesen Leuten auf die Finger haut. Einen Gott, der alles kann und weiß. Oder einen, dem man rein gar nichts zutrauen kann. Oder Gott als Frau, wie eine liebevolle Mutter. So viele Erwartungen, wie Gott zu sein hat. Dabei ist und bleibt er oder sie ein Geheimnis. Am besten lasse ich mich darum überraschen. Wenn ich neugierig und offen bleibe. Dann kann es sein, dass mir Gott sozusagen vor die Füße fällt, wenn ich ihn gar nicht suche. Wie ein Pilz. Oder eben eine Kuh. So einfach ist das.

    Jeremia 29,13.14: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr.“


    veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Pfarrerin Silke Bartel, Reutlingen, Evangelische Kirche

    gesendet als "SWR3 Gedanken am 29.12.2019" auf der Homepage www.kirche-im-swr.de

     


     

 


 

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    Das Wenige, das du tun kannst, ist viel – wenn du nur irgendwo Schmerz und Weh und Angst von einem Wesen nimmst, sei es Mensch, sei es irgendeine Kreatur. Leben erhalten ist das einzige Glück.

    Albert Schweitzer (1875 - 1965), deutsch-französischer Arzt, Theologe, Musiker und Kulturphilosoph, Friedensnobelpreis 1952 Quelle: Schweitzer, Aus meinem Leben und Denken, Felix Meiner Verlag, Leipzig 1931r

  • Ein großer Mann ist ein kleiner Mann, der etwas als Erster tut.

    Benjamin Franklin (1706 - 1790),

  • Möge dann und wann deine Seele aufleuchten im Festkleid der Freude.

    Möge dann und wann deine Last leicht werden und dein Schritt beschwingt wie Tanz.

    Möge dann und wann ein Lied aufsteigen vom Grunde deines Herzens, das Leben zu grüßen wie die Amsel am Morgen.

    Möge dann und wann der Himmel über deine Schwelle treten. 

    Antje Sabine Naegeli aus: Ich spanne die Flügel des Vertrauens aus, Eschenbacher Verlag,ISBN-13: 9783869175423

     

  • Die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenig Brücken.

    Sir Isaac Newton (GB; Wissenschaftler)

  • KEINER will dich,
    KEINER braucht dich,
    KEINER mag dich
    und KEINER liebt dich…

    mehr als ich - sagt Gott

    Quelle : unbekannt

  • Ich glaube an die Sonne, auch wen sie nicht scheint.

    Ich glaube an die Liebe, auch wenn ich sie nicht fühle.

    Ich glaube an das Gute, auch wenn ich es nicht sehe.

    Ich glaube an Gott, auch wenn er schweigt.

    Ein Jude im Warschauer Ghetto

  • Du bist meine Mutter.
    Du bist mein Vater.
    Du bist mein Verwandter.
    Du bist mein Freund.
    Du bist meine Erziehung.
    Du bist auch mein Reichtum,
    o Gott der Götter.
    Du bist für mich alles.
    Ich will bei der Wahrheit bleiben.
    Ich will mich keiner Ungerechtigkeit beugen.
    Ich will frei sein von Furcht.
    Ich will keine Gewalt anwenden.
    Ich will guten willens sein
    gegen jedermann.

    Mahatma Gandhi, Indien

     

  • "Es gibt menschliche Grundwahrheiten, zu denen das Leben früher oder später immer wieder zurückkehrt. Darum dürfen wir keine Eile haben, wir müssen warten können."

    Dietrich Bonhoeffer (1906 - 1945 (ermordet im KZ Flossenbürg)), deutscher lutherischer Theologe, aktiv am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt

     

  • Lass nun ruhig los das Ruder
    Dein Schiff kennt den Kurs allein
    Du bist sicher, Schlafes Bruder
    Wird ein guter Lotse sein.
    Lass nun Zirkel, Log und Lot Leben.
    Getrost aus deinen müden Händen,
    Aller Kummer, alle Not,
    Alle Schmerzen enden...
    ...

    Reinhard Mey

  • ... "Wir bitten dich,
    dass die Zerstörung der Schöpfung aufhört,
    dass wir erlöst werden von allem Bösen,
    dass alle Menschen, die aus Habgier oder Dummheit,
    aus Machtstreben und Forschungsdrang Leben gefährden,
    von ihren Irrwegen abgebracht werden;
    Wir bitten dich um Mut und Phantasie,
    dass wir neue Wege suchen,
    dass wir selber von Umkehr nicht nur reden,
    sondern auch tatkräftig mit der Änderung unseres Lebens beginnen."...

    aus abgewandeltes Schöpfungsgebet der Innenstadtgemeinden,

     

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