Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Erlangen

 

Grußwort vom 29. März

 


Liebe Gemeindeglieder,
liebe Freundinnen und Freunde der Hugenottenkirche!

Quarantäne: Schon länger geht mir dieser Begriff im Kopf herum und so habe ich mich in dieser Woche auf die Suche gemacht, etwas über seine Bedeutung herauszufinden. In Kluges Etymologischem Lexikon lese ich als Erklärung: „Isolierung von Personen mit ansteckenden Krankheiten“, abgeleitet von der lateinischen Zahl 40 „quadraginta“. So lang war nämlich die Dauer der Hafensperre, der seuchenverdächtige Schiffe unterlagen.

Das dtv-Lexikon bestätigt mir, dass Quarantäne für die Anzahl von 40 Tagen steht. Die Absonderung verdächtiger Kranker wurde zuerst im Jahr 1377 in Ragusa (heute Dubrovnik/Kroatien) für 30 Tage eingeführt und hieß „Trentina“. Interessanterweise wurden auch in Nord-Italien schon im frühen 14. Jahrhundert Isolierungen in Seuchenzeiten durchgeführt. Die Zeit der Absonderung wurde schließlich auf 40 Tage („Quarantina“) verlängert, weil man nach antiker Ansicht annahm, akute Krankheiten könnten höchstens 40 Tage dauern. Mal abwarten, ob in diesen alten Überlieferungen nicht doch ein Körnchen Wahrheiten enthalten ist …

In der Bibel kommt die Quarantäne ebenfalls vor und auch die 40-Tage-Frist, allerdings nicht im gleichen Zusammenhang. Priester können im alten Israel Menschen aus medizinischen Gründen eine Isolierung verordnen, so bei der Behandlung der Krankheit des Aussatzes (einer Art Lepra).

Und die 40-Tage-Frist findet sich im Alten wie im Neuen Testament. So regnet es bei der Sintflut 40 Tage und 40 Nächte lang. 40 Tage lang wartet Mose auf die Zehn Gebote. Der Prophet Elia geht nach schweren Depressionen 40 Tage und 40 Nächte zum Berg Horeb, um Gott zu begegnen. Jesus zieht sich am Anfang seines Wirkens für eine vierzigtägige Fastenzeit in die Wüste zurück. Die Zahl 40 steht für eine Zeit, in der sich das Leben durch die Begegnung mit Gott verändert. Auch die Passions- oder Fastenzeit umfasst ja 40 Tage. Dass sich in der Vorbereitungszeit auf Ostern gerade diese Zeitspanne herausgebildet hat, ist von daher kein Zufall.

Mathematiker macht vielleicht stutzig, dass man vom Aschermittwoch bis zum Karsamstag rechnerisch auf 40 Tage kommt. Der Trick: Die Sonntage werden nicht gezählt und gelten deshalb auch nicht als Fastentage. Die Sonntage können durchaus als kleine "Oasen" in der "Wüste" der Fastenzeit betrachtet werden, an denen man sich zur Hebung der Laune auch einmal eine Kleinigkeit gönnen darf.

Die Veränderung durch die Begegnung mit Gott macht der Wochenspruch für den heutigen Sonntag Judika deutlich: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ (Matthäus 20,28)

Gott wird Mensch, er wird zum Diener. Nicht mehr die Menschen dienen Gott, sondern umgekehrt. Das ist eine der tieferen Bedeutungen des Wortes „Gottesdienst“: Gott dient uns, tut uns Gutes, erweist uns einen Dienst. Gerade in diesen Wochen, wo auch Nicht-Kirchgänger betroffen reagieren, weil Kirchen geschlossen sind und Gottesdienste ausfallen und wo Kirchgänger mehr als vieles andere die sonntägliche Gemeinschaft vermissen, erkennen wir die Bedeutung dieses Dienstes Gottes an uns mehr und eindrücklicher als zu manch anderen Zeiten!

Den Gottesdienst kann der SonntagsHugo nicht ersetzen, aber er bringt zumindest einen kleinen Gruß aus ihrer Gemeinde. Sie finden in diesem Wochengruß eine aktuelle Bekanntmachung des Notpresbyteriums, einen Auszug aus der Predigt von Ältestenpredigerin Gudrun Kuhn, mit der die aktuelle Predigtreihe zum Deuteronomium abgeschlossen wird, die aktuellen Neuigkeiten, Informationen zu den Kollekten, Einblicke der Konfirmandinnen und Konfirmanden in ihren Alltag, der sich durch die digitale Schule und die Ausgangsbeschränkungen sehr verändert hat.

Mitgeben will ich Ihnen das Gebet, das Ältestenpredigerin Gudrun Kuhn für diesen Sonntag geschrieben und freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Ihre Worte sprechen mitten hinein in unsere Wirklichkeit und haben mich sehr nachdenklich gestimmt.

 

 

Image by Marion Wellmann from Pixabay 

 

 

Ach Gott –
wir haben es doch gewusst,
dass wir mitten im Leben vom Tod umfangen sind.
Die Kranken wissen es.
Und alle, die an Gräbern stehen.
Doch die Gesunden und Lebensfrohen
konnten dieses Wissen wegdrängen.
Nun hat uns alle die Angst eingeholt.
Wohl begründete und wenig begründete Angst lähmt uns.
Viele Menschen müssen um die blanke Existenz fürchten.
Ach, und so viele Kontakte zu lieben Menschen fehlen uns.

Ach Gott –
auch von dir fühlen wir uns allein gelassen.
Dabei haben wir es doch gewusst,
dass du die Welt in die Evolution entlassen hast.
In eine Welt mit Seuchen und Erdbeben und Tsunamis.
In eine Welt mit unterschiedlichen Menschen:
friedfertigen und gewaltbereiten
solidarischen und egoistischen.

Und wo stehen wir?
Wir fürchten um unsere eigene Gesundheit
und vergessen,
wie gefährdet Ärztinnen und Pfleger und Rettungskräfte sind.
Wir horten Lebensmittel
und vergessen,
was die Geflüchteten an unseren Grenzen leiden.
Ja, wir müssen bekennen,
dass wir im Moment
zuerst an uns selber denken.

Ach Gott –
Lass uns aus den Schriften und Liedern unserer Vorfahren lernen,
wie sie in Krisen festhielten an der Hoffnung auf dich
und die Weisungen zur Mitmenschlichkeit nicht vergaßen.


Amen.

 

Einen schönen Gruß und Gottes Segen!


Ihre Pfarrerin

Stefania Scherffig

 

 

 


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