Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Erlangen

 

Grußwort vom 22. März

 

 

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Freundinnen und Freunde der Hugenottenkirche!

„Freuet euch!“.

So lautet die Übersetzung des lateinischen Sonntags-Namens „Lätare“, der dieser Tage recht unpassend zu sein scheint. Wie soll man Freude empfinden, wenn die mitmenschlichen Kontakte auf ein Minimum beschränkt sind, Schülerinnen und Schüler zu Hause regelrecht eingesperrt sind, wenn Großeltern den Kontakt zu ihren Enkelkindern vermeiden sollen oder Angehörige nur mit großen Mühen ihre pflegebedürftigen, kranken und sterbenden Familienmitglieder aufsuchen können?

Unsere Schwierigkeiten, die Einsamkeit, die Streitereien und Konflikte, die Traurigkeit, die Angst und die Furcht sind real. Es hilft sicher nicht, sie schön zu reden oder beschwichtigend zuzudecken. Beim Propheten Jesaja, wo sich die zitierten Worte finden (Jes 66,10), ist die Freude durchaus eingebettet in eine Zeit der Traurigkeit, die aber dann endlich vorbei ist. Jesaja weiß von einem Tal der Tränen, das durchschritten werden muss, er kennt die Zeit der Hoffnungslosigkeit, auf die aber wieder Hoffnung folgt. Erst im Rückblick geht dem Propheten der Aufruf zur Freude über die Lippen.

Insofern gewinnt die Passionszeit in diesem Jahr ein neues Gewicht, und kann tatsächlich manch einem und manch einer besonders auf der Seele lasten. Doch in der Erinnerung an die Leidenszeit Christi liegt gleichzeitig die freudenreiche Osterzeit als Samen schon eingepflanzt. Zwar wissen wir jetzt noch nicht, ob Ostern wirklich schon eine Zeit der Freude sein wird, aber es ist ein Warten auf Hoffnung, das wir nun in ganz anderer Weise erleben und das uns in gewisser Weise alle verbindet. Wir sehnen uns – vielleicht so stark wie nie zuvor - nach einer besseren Welt, die mit Ostern verheißen und im Glauben schon angebrochen ist.

Der SonntagsHugo genannte Wochengruß aus ihrer Gemeinde soll einen kleinen Beitrag dazu leisten, diese Wochen ohne Gottesdienste und kirchliche Veranstaltungen und mit wenig sozialen Kontakten zu überstehen. Es ist wichtig, dass wir nun in der Gemeinde besonders aufeinander achten. Vielleicht können wir uns gegenseitig etwas Freude bereiten und uns zumindest zeitweise ein Lächeln ins Gesicht zaubern: bei einer nachbarschaftlichen Begrüßung im Treppenhaus oder über den Gartenzaun, bei einem Anruf, wo wir aufmerksam zuhören, im Zusammenhalt, den die Familie einander geben kann, in einer regelmäßigen täglichen Gebetszeit, wenn die Kirchenglocken zur Andacht läuten. Es kommt darauf an, dass wir versuchen, als Gemeindeglieder im Kontakt zu bleiben, gerade jetzt, wo wir uns nicht treffen können. Seien Sie alle zu einem solchen Dienst und zu gegenseitiger Begleitung ermutigt!

Im Wochengruß finden Sie unter anderem einen Auszug aus der Predigt und die aktuellen Neuigkeiten aus der Gemeinde, Informationen zu den Kollekten, einen kleinen Bericht vom ersten Gemeindeworkshop zur Nachwahl des Presbyteriums, aber auch Nachrichten aus der Innenstadt-Ökumene, die uns die Bewahrung der Schöpfung ans Herz legen, die über der aktuellen Herausforderung nicht vergessen werden soll.

Mitgeben will ich Ihnen das Gebet, das letzten Sonntag in der Hugenottenkirche gesprochen wurde, im letzten Gottesdienst vor der Schließung der Gotteshäuser. Reverend Helen Heron hat es freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

„Du unser Gott, wir kommen zu dir,
um neu zu empfangen,
was du für uns getan hast und noch immer tust.
Wir kommen zu dir, um neu zu hören, wie du uns zum Leben führst,
hin zu deinem Tag, an dem alle Dunkelheit vergangen ist.
Wir danken dir, dass wir bis jetzt von deiner Treue leben durften.
Deine Liebe hat uns nicht aufgegeben.
Du hast uns geführt und begleitet trotz unserer Trägheit, unserer Angst und unserem Mistrauen.
Aus aller Müdigkeit hast du uns aufgerichtet und zu neuen Schritten befreit.
Wir bitten dich: Nimm uns heute so an, wie wir sind:
Menschen, die es dir nicht leicht machen und die sich oft selbst im Wege stehen.
Hilf uns durch deinen Geist, zu dir zu finden.
Amen.“

 

Einen schönen Gruß und Gottes Segen!

Ihre Pfarrerin

Stefania Scherffig

 

 

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